Handlung und Musik-Stil

Die Geschichte der „Ruth“

Die Geschichte der historischen Ruth, die später die Großmutter des großen König Davids werden wird, ist in einem eigenständigen Buch im Alten Testament festgehalten. Es ist ihre unverbrüchliche Treue und ihr Gottesvertrauen, die Ruth auszeichnen und ihr den Weg in eine gute Zukunft ebnen.

Doch zunächst geht es um das Schicksal einer anderen Frau: um das der älteren Naomi. Naomi steht zu Beginn am Grabe ihres Mannes und ihrer beiden erwachsenen Söhne. Sie ist Israelitin, hat aber wegen einer Hungersnot ihre Heimatstadt Bethlehem verlassen und ist mit ihrer Familie nach Moab ausgewandert. Dort sind ihr Mann und ihre beiden Söhne, die mittlerweile mit Frauen aus Moab verheiratet sind, einer Krankheit zum Opfer gefallen und gestorben.

Naomi entschließt sich, nach Bethlehem zurückzukehren. Ruth, eine ihrer beiden Schwiegertöchter, bleibt Naomi in Liebe und Treue verbunden und geht mit nach Bethlehem – obwohl sie es als Ausländerin in Israel schwer haben wird. In Bethlehem angekommen geht Ruth während der Erntezeit auf die Felder und sammelt die liegengebliebenen Ähren ein, um sich und Naomi mit dem Nötigsten zu versorgen.

Dort begegnet sie Boas, er ist der Besitzer der Getreidefelder und zugleich ein entfernter Verwandter von Naomi. Boas ist sehr freundlich zu Ruth und beide kommen sich näher. Um Ruth heiraten zu können, muss jedoch das damals in Israel übliche „Lösen“ stattfinden: Den Anspruch, Ruth zu heiraten, hätte ein anderer, näherer Verwandter. Weil dieser aber von seinem Recht zurücktritt, kann Boas Ruth „lösen“ und damit auch heiraten – ein „happy end“ nicht nur für Ruth und Boas, sondern auch für Naomi, die nun versorgt ist.

Stil

Das Werk richtet sich vornehmlich an Jugendliche und junge Erwachsene, für die – im Gegensatz zur Altersgruppe der Kinder – das Musical-Angebot im kirchlichen Rahmen noch relativ überschaubar ist. Es wurde hierbei aber bewusst darauf verzichtet, die Sprache in speziellen Jugend-Jargon zu kleiden, und versucht, die Texte möglichst nahe am biblischen Original zu führen.

Das Werk besitzt eine in sich geschlossene Handlung, die mittels moderner Musik-Stile singspielartig aufgeführt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Liedern mit eingängigen Songmelodien und musikalischem Ausdruck. Szenische Darstellungen sind demgegenüber reduziert, wobei die charakteristischen Merkmale eines Musicals nach wie vor prägend für das Gesamtwerk bleiben.

Verschiedene Stilrichtungen der Pop- und Rock-Musik prägen die einzelnen Stücke. Auf Latin- und Jazz-Stile wurde bewusst verzichtet, da diese eine andere Besetzung der Band erfordert hätten. Ferner wäre durch einen zu großen Mix an Stilrichtungen eine charakteristisch-künstlerische Einheit des Gesamtkunstwerks nicht mehr erkennbar gewesen.

Eine einzige bewusste Ausnahme bildet hier das erste Stück „Requiem“, das im Stile eines gregorianischen Chorals umgesetzt wurde und den traurigen Ausgangspunkt des Stückes markiert. Den Tod von Ruths Schwiegervater, Schwager und eigenem Ehemann, der die Familie in die Hoffnungslosigkeit stürzt. Mit Absicht gibt es am Ende dieser Szene einen großen Bruch, wenn der Choral direkt in das erste Solostück im Rockstil übergeht. Aus der ruhigen Orgelbegleitung wird kraftvolle Bandbegleitung – als Ausdruck großer Anklage und Verzweiflung der Ruf der Naomi „Bin ich jetzt hier allein?“

Das Angebot ihrer Schwiegertochter Ruth „Wohin du gehst, dahin geh‘ auch ich“ erklingt als weiche Pop-Ballade. Naomi antwortet hier zunächst wieder mit den markanten Tönen einer Frau, die ihre Schwiegertochter vor großen Nöten bewahren will: „Kehr um“ (Rock)

Die Ankunft der beiden Frauen in Naomis alter Heimat wurde mit der Beständigkeit und Unruhe eines langsamen Funk umgesetzt, bei dem das Volk fragt: „Ist das nicht Naomi?“ Der Trost der Naomi an Ruth „Weit weg von zu Haus‘ bist du nicht allein“ (Pop) bildet hier mit weichen Rhythmen den Gegenpol und drückt das Vertrauen in Gottes Beistand melodisch aus.

Die Wendung der Geschichte, die sich anbahnt, nachdem Ruth sich auf die Felder des Boas begibt, wird in „Weitermachen“ mit dem markanten, beständigen, harten Takt der Feldarbeiter (Funk) eingeleitet. Das schwungvolle Stück „Boas“ (Africanrock) lässt die sich bessernde Situation der Ruth erkennen, und der Hoffnungsschimmer am Horizont wird klanglich sichtbar. Das Glück wird vollendet, als Ruth in Boas einen neuen Ehemann findet: „Du gehörst zu mir, ich liebe dich“, vertont als zu Herzen gehende, gefühlvolle Pop-Ballade.

Das letzte Stück ist ein eingängiges Lobpreislied: „Gebt Gott die Ehre“ (Gospel-Rock). Seine Rhythmik und Melodik soll zum Mitsingen und Mitklatschen anregen und das ganze Werk zu einem fröhlichen Abschluss bringen. Das ermutigende und fröhliche Ende der Geschichte wird auf diese Weise für Akteure und Zuhörer unmittelbar spürbar werden.

Der modulare Aufbau erlaubt es, dass folgende Stücke auch als Einzeltitel ausgekoppelt und aufgeführt werden können. Sie sind musikalisch und auch textlich eigenständig. „Wohin du gehst“, „Du gehörst zu mir“ oder „Boas“ etwa für Hochzeitsfeiern und „Gebt Gott die Ehre“ als eingängiges Lobpreislied zur gottesdienstlichen Verwendung.